Toskana 2000: Castelfiorentino, San Gimignano, Volterra, Massa, Follónica, Colle
Am 20.8. ging´s in den Südosten der Toskana bis ans Meer. Tolle Strecken zum Fahren. Ein Highlight ist San Gimignano mit seinen vielen Türmen und der sehr hübschen Innenstadt. Schon von weiten ist die Silhouette des Manhattans der Toskana sichtbar. Eine Besichtigung darf nicht ausgelassen werden.
In Kürze:
Montespertoli, Castelfiorentino, Gambassi, San Gimignano, Volterra, Pomarance, Massa, Follónica, Massa, Cásole d´Elsa, Colle di Val d´ Elsa, San Gimignano, Certaldo, San Casciano
340 km, 7 h
Im Detail:
Das erste Stück bis Cerbáia kennen wir bereits von der
vorhergehenden Tour. Aber ab Cerbáia erwartet uns Unbekanntes. Wir
halten uns
links und folgen auf der weiteren Strecke der Wegweisung nach
Volterra und Montespértoli. Castelfiorentino ist schnell erreicht.
Der Streckabschnitt ist einfach sehr kurzweilig.
An der Stopp-Stelle in Castelfiorentino halten wir uns links nach Volterra und später geradeaus nach Gambassi. Auf einer landschaftlich ansprechenden Fahrt, ausnahmsweise mal mit größeren Kurvenradien erreichen wir diesen Ort. Genauer landen wir automatisch auf einer Ortsumgehung und kommen gar nicht ins Zentrum.
Hinter Gambassi nimmt die Kurvenzahl wieder zu und die Radien werden enger. An dicht bewaldeten Hängen erreichen wir schließlich San Gimignano. Vor uns liegt es auf der Spitze eines Berges und seine eckigen Geschlechter-Türme ragen weit in den Himmel.
San Gimignano ist eine Besichtigung wert. Die Geschlechter-Türme
entstanden im Mittelalter. Bis zu 72 der festungsähnlichen Wohntürme
standen zu dieser Zeit. Die Entstehung geht auf den Clinch der
papsttreuen Guelfen und kaiserergebenen Ghibellinen zurück. Über Jahrzehnte
hinweg erstreckte sich der Kampf. Die Sieger ließen die Türme der
Unterlegenen schleifen.
Gimignano versetzt den Besucher in ein anderes Jahrhundert. Durch enge Gässchen schlendert man an alten restaurierten Häuser vorbei. An der Stadtmauer bietet sich ein toller Blick in das Land. Ebenso von den zwei noch begehbaren Türmen.
Unten im Tal angekommen halten wir uns rechts nach San Gimignano. In den Stadtkern selbst kommt man nicht. Er ist für den Verkehr gesperrt. Die vielen Parkplatzsucher sogen für recht stockenden Verkehr. Es ist ab ratsam, korrekt zu parken. Die Polizei ist permanent unterwegs und verteilt Tickets und lässt abschleppen.
Nach Gimignano folgen wir der Wegweisung nach Volterra. Nach dem wir den Ort verlassen haben, bereitet die Strecke wieder großen Fahrspaß. Gleich nach der Senke, wenn es wieder bergauf geht, beginnt die Freude am Fahren so richtig. Etwas weiter oben bietet sich zusätzlich ein schöner Blick hinüber auf Gimignano.
Kurz nach Castél San Gimignano wird die kurvenreiche Strecke für kurze Zeit plötzlich zur Piste. Ende August als wir hier entlang kamen, waren die Felder bereits abgeerntet und größtenteils umgepflügt. Eine regelrechte Mondlandschaft bot sich dem Auge. Solange die Sonne hoch steht zeigt sich das Land in grauen, nachmittags in rötlichen Farbtönen.
Ringsum Volterra herrscht dieses Bild vor. Über ein mehrere
Kehren und viele Kurven erreichen wir den Ort auf 555m Höhe. Als
erstes sticht die Burg, die Fortezza, ins Auge. Wie sich später
herausstellt, ist es heute eine Strafanstalt. Volterra ist bekannt
für seine Alabasterprodukte (Kristallform von Gips). Es ist eine
eindrucksvolle Mischung der Epochen von der Etruskerzeit bis ins Mittelalter, geprägt von entsprechenden Bauten. Auch hier
sollte man einmal absteigen und etwas durch die Stadt schlendern.
Wir selbst haben uns nicht an die vorher definierte Tour gehalten und sind etwas um Volterra gekreist. Will man die GPS-Route fahren, muss man in Volterra denselben Weg wieder zurückfahren und unterhalb des Orts nach Salina di Volterra abbiegen.
Der erste Kreisbogen führte an der Fortezza vorbei, durch die Stadt in Richtung der "Zona Archilogica". An der SS439dir angekommen ging's rechts nach Salina. Um noch ein Foto der Fortezza zu machen, bogen wir noch einmal nach Volterra ab. Diesmal hielten wir uns unterhalb der Fortezza zweimal links Richtung Cécina. Durch geplügte Felder, quasi mitten durch die Mondlandschaft, erreichen wir die S439 und fahren links nach Salina di Volterra. Auf einer etwas holprigen, kurvenarmen Straße ging es an abgemähten Getreidefelderm vorbei.
In Saline geht's links ab nach Massa. Bis Pomerance wird die
Gegend grüner. Die fast baumlose Landschaft verschwindet. Dahinter
wird auch die Straße wieder besser und -- nicht zu vergessen -- auch
kurvenreicher. Bergan führt sie nach Montecerboli. Glänzende Rohre
führen über Straße und daran entlang. Ein paar Kühltürme kommen ins
Blickfeld. Überall glänzen die Rohre im Licht. Die ganze Ortschaft
ist davon umgeben. Was ist das? Ein angeschriebenes "Museo
Geothermico" gibt erste wage Hinweise darauf. Es handelt sich um
mehrere Erdwärme-Kraftwerksblöcke mit ca. 390 MW Leistung. Diese
werden mit rund 245°C heißem Dampf aus etwa 1000m Tiefe betrieben. Desweiteren
werden in Lardarello Wohnungen, Treibhäuser und gewerbliche Bauten
davon gespeist. Der Ortsame Laradello geht auf eine Arbeitersiedlung
eines Borwerkes des Franzosen Larderel zurück. Dieser nutzte als
erster die Wärme des Wasserdampfes. Zwischen Volterra und Massa
Marittima gibt es die aus der Erdtiefe versorgten sogenannten "Lagoni",
welche Borsäure enthalten. 1827 lies Larderel über einem solchen
Teich Kuppeln aufbauen und nutzte die Wärme des ausströmenden
Wasserdampfes. Das Verdampfen des Wassers mit Holz war einfach zu
teuer.
Nach Castelnuovo gibt es wieder viel Wald entlang der Straße. Gibt dieser den Blick frei, bietet der bis zu 680m hohe Standort schöne Aussichten. Die Strecke selbst ist wieder ideal zum Motorradfahren. Es ist kaum Verkehr, der Belag grippig und die Kurven einfach geil!
An der Ortschaft Massa fahren wir vorbei. Wer nicht ans Meer will, sollte bereits vor Massa links nach Siena abbiegen. Denn nach Massa wird die SS439 zur geraden Schnellstraße. Durch Olivenplantagen und Obstbäume ist man aber schnell nach Follónia und wieder zurück geprescht.
Die SS441 nach Siena ist wieder eine Spitzen-Straße. Links taucht oben am Berg malerisch Prata auf und weiter geht's nach Gabellino. Hier scheint ein Motorradtreff zu sein. In der Bar an der Kreuzung holen wir uns was zu trinken und setzten uns an die Straße zu den anderen Bikern. Eine große Cola und ein Liter Mineralwasser für zusammen umgerechnet sechs Mark. Das war ok.
Geplant war über Montieri zu fahren. Leider ist die Straße nach
der Brücke wegen eines Autorennens gesperrt. So fahren wir geradeaus
weiter bis zum nächsten linken Abzweig nach Ciciano/Montieri. Nach
Ciciano sehen wir am anderen Berghang Montieri. Die kleine Straße
lässt sich recht schön fahren. Am Ende biegen wir rechts ab nach Firenze. Es geht noch etwas bergan auf
etwa 700m. Jede Menge Steineichen und Essigbäume stehen am Rand. Die
Streckenführung ist herrlich. Die vielen holprigen Flicken trüben
aber die Freude.
Nach Casone biegen wir fälschlicherweise rechts nach Siena ab und fahren dann auf der etwas langweiligen SS541 Richtung Colle. Haltet Euch an der Kreuzung auf freier Strecke hinter Casone bei Radicóndoli links! Über Cásole kann die Strecke nur abwechlsungsreicher sein.
Weiter geht es nach San Gimignano, vorbei an Sonnenblumenfeldern und Weinstöcken. Am Kreisverkehr in San Gimignano fahren wir Richtung Certaldo. Durch Weingärten geht's bergab ins Tal des Fiume Elsa. Leider Geschwindigkeitsbegrenzung.
Auf dem Hügel oberhalb bewahrt Certaldo einen alten Stadtteil (Castello). Dieser wirkt durch die einheitliche Verwendung von Backstein für die Wohnhäuser und dem Pflaster besonders romantisch.
In Certaldo steht San Casciano bereits angeschrieben. So brauchen wir nur den Wegweisern zu folgen. Durch eine reizvolle Hügellandschaft mit Olivenhainen, Weinstöcken und Baumschulen kommen wir wieder nach Hause.
Fazit: Früh aufstehen sollte man schon. Sonst kann man die mittelalterlichen Juwelen an der Strecke nicht genügend würdigen. Die meisten Strecken sind einfach affengeil zu fahren.
Copyright 2000-2006, Harald Meyer, 96193 Wachenroth. Letzte Änderung 11.11.06